Wie das Digitalradio die Medienwelt verändert

Radio

Seit Jahren stehen klassische Medien, vom Printverlag bis hin zu Radio und Fernsehen, vor der großen Frage, wie sie auf eine immer digitaler werdende Welt reagieren sollen. Onlineangebote schossen wie Pilze aus dem Boden, nur um Jahre später vor dem Problem zu stehen, dass Online-Content zwar viele Konsumenten findet, aber kaum Geld in die Kassen spült. Zudem verändert sich mit einer stetig wechselnden Technologiebasis auch die Art des Konsum an sich. Eine neue Zeit braucht also auch neue Medien, die nachhaltig die Vorteile der alten und der neuen Welt verbinden. Ein Musterbeispiel dafür ist das Digitalradio.

Menschen verbinden

Gerade für das Radio gilt der bekannte Spruch, „Totgesagte leben länger“. Auch in Zeiten der Digitalisierung hören nach aktuellen Medienerhebungen 29 Prozent aller Deutschen zumindest hin und wieder Radiosendungen im Internet. Und über siebzig Prozent der Jugendlichen gaben an, mehrmals in der Woche Radioprogramme zu konsumieren. In einem Zeitraum von montags bis freitags gab die Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen an, wöchentlich gut 172 Minuten Radio zu hören. Damit gehört der Hörfunk auch 2019 zu den wichtigsten Werbeträgern im Medienmix. Und das trotz Facebook, Instagram und Spotify.

Das Radio verbindet Menschen mit den unterschiedlichsten Interessen. So gibt es ganze Beiträge rund um aktuelle Trends im Bereich der Schuhe, inklusive umfangreicher Podcasts und Kaufempfehlungen. Zeitgleich gibt es Angebote, die Hörer zu politischen Diskussionen einladen und kritische Meinungsbeiträge verbreiten. All diese Angebote stehen zudem über Bibliotheken allen Nutzern nach Sendeschluss „on Demand“ zum Nachhören zur Verfügung. So entsteht ein vielfältigeres und umfangreicheres Netz im Digitalradio, als es das klassische Modell des „Versendens“ je hätte schaffen können.

Vor- und Nachteile der neuen Technologie

Vor allem die Tonqualität und die bessere Verfügbarkeit von Inhalten im Digitalradio ist für die Medienbranche ein unumkehrbarer Meilenstein. Zudem lassen sich über die Digitalkanäle auch zusätzliche Informationen, begleitende Fakten und interessante Kleinigkeiten transportieren, die direkt im Radio-Display angezeigt werden. Wer vom Radioprogramm mehr erwartet als Berieselung, wird dadurch ebenfalls bedient. So entsteht Raum für mehr Inhalte, Kreativität und spannende Projekte.

Zeitgleich bringt die neue Technologie jedoch auch neue Herausforderungen mit sich. So teilen sich viele digitalen Kanäle die große Datenautobahn mit anderen Angeboten. Immer öfter konkurrieren Radiosender also auch mit großen Streaming-Anbietern oder direkt mit Providern wie der Telekom. Der große Magenta-Konzern musste zuletzt sogar das eigene Streaming-Angebot vom Netz nehmen, da es Anzeichen für Verstöße gegen die Netzneutralität gab. Diese Regelung schreibt vor, dass einzelne Anbieter und Formate nicht gegen eine Gebühr bei der Vergabe von Bandbreiten bevorzugt werden dürfen. Vergleichbar ist das mit den Autobahnen in Deutschland, wenn die linke Überholspur nur denen zur Verfügung stünde, die dafür bezahlen.

Zudem ist die Verbreitung von Digitalradios in Deutschland noch immer spärlich. Zwar sorgen vor allem moderne Autos und Werbeaktionen der Radiosender für eine solide Grundabdeckung, ein Großteil der Nutzer setzt jedoch noch immer auf den Empfang per Antenne. Es gibt also noch viel zu tun für den Erfolg des Digitalradios in Deutschland. Doch der Kampf lohnt sich.