Digitales Radio oder Streamingangebote – wer gewinnt?

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Wenn es zu hinterfragen gilt, ob das digitale Radio gegen die Übermacht der Streamingangebote eine Chance hat, gehen die Meinungen auseinander. Tatsächlich hat das digitale Radio eine Chance, es ist jedoch starker Konkurrenz mit sehr guten Angeboten ausgesetzt. Das digitale Radio fand seinen Einzug in die deutschen Stuben, noch ehe Spotify und Co die Smartphones eroberten. Im Zuge der Digitalisierung und verbesserten Übertragungsraten hat sich kein Verhalten so sehr verändert wie das des Musikhörens. In rasender Geschwindigkeit wurden die CD beerdigt und der illegale Download geboren, welcher dann wieder, im Zuge des Siegeszugs von Spotify, ebenso schnell wieder verschwand. Dies war wichtig, denn ohne eine erfolgreiche Monetarisierung der digitalen Werke wäre die Branche in Gefahr gewesen.

Das größte Unheil ist damit vom Tisch, darüber sind sich fast alle in der Musikindustrie einig. Doch wie genau es weitergeht und wer dabei die Oberhand behalten wird, ist noch offen. Für die Streaminganbieter ist es schwierig, sich gegenüber der Konkurrenz zu positionieren, denn sie alle bieten die exakt gleichen Inhalte an. Alle namhaften Künstlerinnen und Künstler sind auf allen großen Plattformen gleichzeitig. Somit gibt es keine inhaltlichen Unterscheidungsmerkmale. Der größte Unterschied liegt im Preismodell. Hier hat sich Spotify mit seinem Gratisangebot einen großen Reichweitenvorteil gegenüber seinem größten Konkurrenten Apple erarbeitet. Doch weitere Unterschiede sind kaum festzustellen, die Nutzung der Dienste erfolgt fast überall nach demselben Schema und bietet somit kaum Möglichkeiten, sich dem Nutzer als die bessere Wahl zu präsentieren. Einzig Apple könnte aufgrund seiner enormen finanziellen Möglichkeiten noch einmal versuchen, inhaltlich etwas Eigenes auf die Beine zu stellen. Denn trotz des aktuellen Umsatzrückgangs steht das Unternehmen finanziell fantastisch da. Davon profitieren auch Anbieter von Apple Hardware, welche nach wie vor beliebt und gefragt ist. Selbst gebrauchte und generalüberholte Waren verkaufen sich hervorragend, wie der Händler mresell eindrucksvoll beweist.

Das digitale Radio produzierte schon immer exklusiven Inhalt, den es nur auf dem jeweiligen Sender bzw. der jeweiligen Sendergruppe gibt. Seien es Konzerte, Interviews oder Reportagen – eigene Redaktionen zahlen sich aus. Umfragen bestätigen diese Einschätzung. Ein Großteil der Befragten gibt an, lieber die Sendung eines Radiosenders mit Moderation als eine endlose Aneinanderreihung von Musikstücken zu verfolgen. Besonders die lokale Berichterstattung findet den Zuspruch der Hörerinnen und Hörer. Auf diese Weise können die digitalen Radiosender Spotify und Apple Paroli bieten, denn dies sind Leistungen, die sich in global agierenden Unternehmen kaum umsetzen lassen. Sie müssten hier sehr tief in die Tasche greifen, um dem Radio wirklich gefährlich werden zu können. Wenn man außerdem bedenkt, dass ein großer Teil des digitalen Rundfunks zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk gehört, wird schnell klar, dass eine solche Strategie nur schwer zum Erfolg führt. Es würde ein spannender Kampf um die Zuhörerinnen und Zuhörer werden. Spotify und Apple müssten sich also in diesem Fall etwas einfallen lassen.

Hier steht das digitale Radio sehr gut da. Nicht wenige Experten gehen sogar davon aus, dass es langfristig gesehen wieder vermehrt zu einer Abwanderung weg von den Streaminganbietern hin zum digitalen Radio geben wird. Hier bleibt abzuwarten, wie sich die Hörerinnen und Hörer weiterhin ihren Musikkonsum vorstellen werden. Die digitalen Radiostationen blicken jedenfalls entspannt in die Zukunft.