Streaming statt DAB+

Radio

Viele DAB+-fähigen Radios können nicht nur das neue Digitalradio empfangen, sondern bieten auch die Möglichkeit, sich mit dem heimischen WLAN-Netz zu verbinden. Dadurch kommt oft der Irrglaube zustande, DAB+ und Internetradio seien das Gleiche. Weit gefehlt: Zwar sind viele DAB+-Sender auch als Streamingangebot auf den Seiten der Radiosender, jedoch ist DAB+ nicht gleich Streaming und Streaming nicht gleich DAB+.

Der technische Unterschied zwischen DAB+ und Streaming
Technisch unterscheiden sich DAB+ und Internet vor allem in einem sehr stark: in der Reichweite. So kann ich zum Beispiel die Programme des Südwestrundfunks in Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz, dem Saarland, Teilen von Bayern und teilweise auch noch in Thüringen mit meinem DAB+-Gerät empfangen. Per Streaming könnte ich die Programme des SWR dagegen selbst in den USA empfangen, wenn ich eine funktionierende Internetverbindung habe. Denn Streaming läuft über das Internet: der Empfänger lädt stetig kleine Teile des Programmes vor und speichert sie kurzzeitig lokal auf der Festplatte ab, um eine reibungslose Wiedergabe zu gewährleisten. Das ist das sogenannte „Buffering“. Dabei handelt es sich um einen kontinuierlichen Datenstrom – daher auch das englische Wort „Streaming“.

Bei DAB+ findet kein Buffering statt. Es gibt zwar ebenfalls einen kontinuierlichen Datenstrom, aber statt ihn wie beim Streaming aktiv starten zu müssen, empfängt ihn mein Gerät automatisch sobald es an ist. Dabei werden kleine Datensätze an den Empfänger gesendet, der die Signale sofort in elektrische Impulse umwandelt und an die Lautsprecher weitergibt. Es wird nichts zwischengespeichert und es werden keine Datensätze vorab geschickt, um eine reibungslose Wiedergabe zu gewährleisten. Das bringt Vor- und Nachteile. Vorteil: das gehörte ist wirklich live, während Streaming-Radio oft zeitversetzt ist. Das stört im Normalfall nicht, kann aber zum Beispiel bei Fußballübertragungen für viel Enttäuschung sorgen, wenn die Nachbarn schon jubeln und man selbst noch auf den Torschuss wartet.

Der Nachteil: Wenn bei DAB+ mal ein Datensatz fehlt, dann fehlt er. Der Ton setzt einfach aus, die Übertragung fängt an zu ruckeln oder zu blubbern. Beim Streaming wird dieser Effekt durch das Buffering vermieden, sofern die Internetverbindung ausreichend Bandbreite bietet.

Ist Streaming besser?
Ja und nein. Wie immer kommt es auf darauf an, wie man den Service benutzen will. Ist man zum Beispiel im Auto unterwegs, ist die Anbindung an das mobile Internet oft weniger ausgebaut als das Radionetz. Hier ist also das Streaming keine wirkliche Alternative zum DAB+. Ist man jedoch im Urlaub und möchte trotzdem nicht auf seine tägliche Dosis Radioprogramm aus der Heimat verzichten, so ist Streaming wohl die einzige Möglichkeit, das gewünscht Programm zu empfangen. Es gilt also folgende Faustregel: kann ich den Sender empfangen? Wenn ja, dann ist DAB+ die bessere Wahl. Kann ich den Sender nicht empfangen aber habe eine stabile Internetverbindung? Dann ist man mit dem Streamingangebot deutlich besser beraten.